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01.08.2017

Kaiser im Gespräch mit Dr. Schmidt / Agrargenossenschaft Niederpöllnitz

Elisabeth Kaiser im Gespräch mit Dr. Florian Schmidt, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Niederpöllnitz

Wunsch nach fairer Behandlung aller Landwirtschaftsbetriebe

SPD –Bundestagskandidatin Elisabeth Kaiser im Gespräch mit Dr. Florian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Niederpöllnitz

Niederpöllnitz. Mitten in der Ernte nahm sich Dr. Florian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Niederpöllnitz eG am 1. August 2017 Zeit für ein Gespräch mit SPD-Bundestagskandidatin Elisabeth Kaiser. Die junge Kandidatin erklärte: „ Ich will mich in meinem Wahlkreis 194 Gera-Greiz-Altenburger Land meinen Wählern in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen vorstellen, um besser über deren Situation informiert zu sein. Gerne nehme ich auch Anregungen und Kritiken für meine künftige Arbeit im Bundestag mit.“

Kritische Worte zu Beginn

Dr. Schmidt nahm das zum Anlass, seine Enttäuschung über die Äußerungen mancher Politiker über die Landwirtschaft gegenüber der jungen SPD-Vertreterin zu äußern: „Einige Aussagen empfinden wir als Landwirte sehr bitter. Eine ganze Branche als „Tierquäler und Umweltverschmutzer“ unter Generalverdacht zu stellen mit einseitiger Berichterstattung durch die Medien, ist sehr unfair. Auch konventionelle Landwirtschaft und große Betriebe wie wir arbeiten durchaus umweltverträglich und nachhaltig und haben das Tierwohl sehr genau im Blick. Denn auch wir sind mit ganzem Herzen Landwirte, die keine kranken Tiere im Bestand haben wollen, sowohl aus ethischen wie auch wirtschaftlichen Gründen.“ Auch setze man nicht mehr Pflanzenschutzmittel ein als nötig, halte Fruchtfolgen ein und produziere verantwortungsvoll gegenüber Mensch und Umwelt. In diesem Zusammenhang verwies er darauf, dass es kontraproduktiv sei, einen engen wissenschaftlichen Partner, die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft in Jena, weiter personell und finanziell zurückzufahren. „Von dort bekommen wir unabhängige wissenschaftliche Expertisen, die Mitarbeiter ermöglichen angewandte Forschung in Thüringen mit dem Ziel, Politik und Landwirtschaft gut zu beraten.“

Warum weiter Michviehhaltung?

Traditionell wird in der Niederpöllnitzer Agrargenossenschaft Milchviehhaltung betrieben. Ob sich das denn lohne bei weiter zu niedrigen Milchpreisen, wollte Elisabeth Kaiser wissen. „Die Milchkrise ist noch da“, erklärte Dr. Schmidt. „Mindestens 40 bis 45 Cent pro Liter wären nötig, um die Verluste der beiden Vorjahre auszugleichen. Zurzeit liegt der Milchpreis bei 34 bis 35 Cent pro Liter.“

Dass Milch billiger sei als Wasser, hält Elisabeth Kaiser, passionierte Milchtrinkerin und Konsumentin von Molkereierzeugnissen, für „ein Unding“.

Marktgesetze, so Dr. Schmidt würden leider auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen. Einer relativ kleinen Zahl von Lebensmittelhändlern stünde eine Großzahl von Erzeugern gegenüber. Gleichwohl halte man in Niederpöllnitz an der Milchviehhaltung fest, während man sich von der Schweineproduktion auf Grund von Unrentabilität und schwierigen politischen Rahmenbedingungen verabschiedet habe. Gegenwärtig stünden in den Ställen der Niederpöllnitzer Genossenschaft rund 1900 Kühe. Die vorhandenen Futterflächen sichern eine gute und gesunde Versorgung der Tiere. Mit der Errichtung einer neuen Milchviehanlage für 1170 Kühe, die Ende 2018 in Betrieb gehen soll, werde man ökonomisch Milch produzieren bei einer moderaten Größe des Viehbestandes. Oberste Priorität bei dieser großen Investition habe das Tierwohl.

Kritisch merkte Schmidt an, dass man durch die geplante Einführung von Tierobergrenzen bei einer schon vorhandenen Förderobergrenze von zwei Millionen Euro bei Agrarinvestitionen die Arbeit von Großbetrieben blockiere. Und er bemerkte, dass bei der Anhörung zu diesem Thema in Erfurt leider kaum Vertreter der Regierungsparteien anwesend waren, um das Veto von Thüringer Bauernverband und anderen landwirtschaftlichen Interessenvertretern zu hören. Trotz politischer Sommerpause

Jede Produktionsweise gleichberechtigt anerkennen

Dr. Florian Schmidt stellte gegenüber Bundestagskandidatin Elisabeth Kaiser klar, dass er kein Gegner der ökologischen Landwirtschaft sei und dass jede Produktionsweise und Betriebsgröße ihre Daseinsberechtigung und Bedeutung habe. Der Einzelbetrieb genauso wie Agrargenossenschaften und -gesellschaften.

Letztere hätten neben der Wirtschaftlichkeit des Betriebes stets auch die soziale Komponente der Beschäftigten im Blick. So sei in seinem Betrieb trotz der Einstellung der Schweineproduktion kein Mitarbeiter entlassen worden. Mit rund 80 Beschäftigten sei man der größte Arbeitgeber in der Gemeinde. Trotzdem sei die Nachwuchsgewinnung vor allem in der Tierproduktion nicht einfach, beantworte Dr. Schmidt die Nachfrage seines Gastes. Dem Nachwuchsmangel wirke man mit Praktika im Betrieb, Wandertagen für Grundschüler oder auch eigenen kleinen Versuchsfeldern für Schüler entgegen. So würden Schüler der Frießnitzer Grundschule unter Betreuung und Anleitung der Tochtergesellschaft Solanum den Kartoffelanbau vom Pflanzen bis zur Ernte selbst übernehmen.

Abschließend sagte der Vorstandsvorsitzende Elisabeth Kaiser, dass er von der Politik künftig mehr Unterstützung und Verständnis für die Landwirtschaft und auch für größere Betriebe als Garanten einer stabilen und qualitätsvollen Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und als soziale Arbeitgeber erwarte. „Und deutliche Anstrengungen, diese Betriebe gesund zu erhalten, anstatt sie zu diffamieren.“

Zudem sei das Korsett der EU-Regularien eh schon so eng, dass den Betrieben kaum noch eigener Handlungsspielraum zur Verfügung stünde. Und das bei einer Produktion unter freiem Himmel, wo man wie in diesem Sommer stets mit großen Unwägbarkeiten des Wetters rechnen müsse. Für die Ernte erhoffe er sich nach der Gewitterperiode eine trockene Woche.

Elisabeth Kaiser bedankte sich für das informative Gespräch.