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08.09.2017

Mit der Bildung steht und fällt alles! SPD-Bundestagskandidatin Elisabeth Kaiser und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee begegnen einem Schmöllner Unternehmer.

Schmölln. Offenbar konnte auch ein Thüringer Wirtschaftsminister Schmöllner Unternehmer und Gewerbetreibende nicht dazu bewegen, sich am Freitag abend, den 8. September 2017, mit ihm zu treffen. Rene Heidl, Geschäftsführer der Indu-Sol GmbH rettete die Ehre der Unternehmer. Er folgte der Einladung von SPD-Bundestagskandidatin Elisabeth Kaiser. Zusammen mit Bürgermeister Sven Schrade und Schmöllner Genossen diskutierten sie mit Wolfgang Tiefensee über den Wirtschaftsstandort Schmölln. Die Firma Indu-Sol ist seit 15 Jahren in Schmölln ansässig und ein wachsendes, international agierendes Technologieunternehmen der Automatisierungsindustrie mit rund 100 Beschäftigten. Seine Mitarbeiter seien sein Kapital, betonte Heidl des Öfteren und verwies auf gemeinsame Feste und Sportaktionen wie Triathlon.

Kritisch attackierte er den SPD-Politiker Tiefensee mit seinen Fragen. So machte er der mitregierenden SPD zum Vorwurf, im Bereich Bildung nichts grundlegend verbessert zu haben. Sorgenvoll sehe er als Vater von drei Kindern, wie schwer es Kinder aus bildungsfernen Familien bereits in der Kita und später auch in der Schule haben. „Diese Spaltung des Bildungssystems bereits nach der 4. Klasse trennt die Gesellschaft. Diese Kinder geraten durch fehlende Bildungschancen in eine Abwärtsspirale, die Zukunft verharrt im Stillstand.“

Andererseits strebe die Masse der Schüler zum Abitur, gute Ingenieure fehlen aber am Ende. Er selbst habe die 10. Klasse absolviert, später studiert, sei Ingenieur und nun erfolgreicher Geschäftsführer geworden.

Minister Wolfgang Tiefensee gab ihm Recht und verwies auf eine ähnliche Berufslaufbahn. Erneut favorisierte er das berufliche Gymnasium oder ein Handwerker-Gymnasium, das bereits großen Zulauf verzeichne. Statt Regelschule schlug er als neuen Namen „Kooperatives berufliches Gymnasium“ vor. An die Presse appellierte er, Eltern ganzseitig und regelmäßig über die verschiedenen Bildungswege zu informieren und ihnen Entscheidungen für die Berufslaufbahn ihrer Kinder dadurch zu erleichtern.

Elisabeth Kaiser ergänzte, dass sich die SPD vorgenommen habe, die Kita-Gebühren abzuschaffen und Kindern von den ersten Lebensjahren an eine gleich gute Betreuung und Bildung zuteil werden zu lassen. So soll mehr in Schulen investiert, das Kooperationsverbot aufgehoben und der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz an Grundschulen durchgesetzt werden. Gemeinschaftsschulen mit Ganztagsbetreuung sollen das Bildungsgefälle nach der Grundschule verhindern. In diesem Punkt war man sich schnell einig: Mit einer guten Bildung steht und fällt die wirtschaftliche, intellektuelle, kulturelle und soziale Zukunft der Gesellschaft.

Der Indu-Sol Chef warf dem SPD-Minister weiterhin vor, mit Fachkräften aus dem Ausland und dem geforderten Einwanderungsgesetz für Deutschland nur einen Verschiebebahnhof zu erzeugen und den Herkunftsländern künftige Fachleute zu entziehen. Das sei unsolidarisch.

Tiefensee entgegnete, dass er als Politiker immer darum bemüht sei, Differenzen auszugleichen. Ob das im eigenen Land sei, in Europa oder weltweit. Nach der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Spanien haben viele junge Menschen von dort in Deutschland eine Chance des Berufseinstieges gefunden. Oder Ingenieure hätten dort keine Aufträge mehr gehabt. So konnte die Bundesrepublik hier helfen und dort die Wirtschaft wieder ankurbeln. Man müsse darauf achten, dass beide etwas davon haben. Gleichwohl gehe es darum, Arbeitskräfte erst im eigenen Land zu suchen. So sollten auch lernschwache, aber handwerklich geschickte Jugendliche eine Chance bekommen, ebenso Menschen mit Behinderung, Langzeitarbeitslose integriert und das Reservoir älterer Arbeitnehmer besser genutzt werden.

Weitere kritische Bemerkungen machte der Unternehmer hinsichtlich der Steuerlast für mittelständische Unternehmen und über die hohe Bürokratiebelastung, die ihn von wichtigeren Aufgaben abhalte. Oder dass dadurch Fördergeld sogar in Fremdfirmen fließe, die er mit der Abwicklung bürokratischer Arbeit beauftragen müsse. Minister Tiefensee hielt entgegen, dass auch Fördergeld für den Mittelstand aus Steuergeld stamme und dass EU-Fördermittel schon lange nicht mehr an Großunternehmen fließen. Sowohl Tiefensee als auch Elisabeth Kaiser gaben dem Gesprächspartner hinsichtlich ausufernder Bürokratie Recht.

Der Politik empfahl Rene Heidl, sich mit den Unzufriedenen, die sich auch in der AfD wiederfänden, auseinanderzusetzen, statt sich ihrer zu schämen.

Elisabeth Kaiser widersprach dieser Meinung. An ihren Informationsständen im Wahlkampf habe sie sich sehr wohl mit vielen Anliegen der Bürger auseinandergesetzt. Es sei aber oft ein langwieriger Weg, sich bis zum Anlass der Unzufriedenheit durchzufragen. Oft waren Besucher an ihrem Stand schon froh, sich manches von der Seele reden zu können oder Beratungshinweise vor Ort zu erhalten.

(Auch hier zeige sich, so das Resümee der SPD-Bundestagskandidatin, dass gut ausgebildete und gut informierte Bürger sich besser im Leben zurecht finden, Hilfe suchen und finden und ihr demokratisches Recht der Mitbestimmung bewusster ausüben können.)