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20.07.2017

Demokratischer Frauenbund ist in Gera jung und voller Elan

Petra Meyenberg (rechts) zeigt Elisabeth Kaiser (links) die Räume des Demokratischen Frauenbundes. Beide kommen mit den Damen der Gruppe „Die flinken Maschen" ins Gespräch.

Gera. Petra Meyenbergs 25–Stunden-Woche steht nur auf dem Papier. Die junge Frau und Mutter von drei Kindern leitet seit vier Jahren das Frauenkommunikationszentrum in der Heinrichstraße 38. In den vier Jahren ihrer Amtszeit sind nicht nur Farbe, Frische und Gemütlichkeit in die alten Vereinsräume eingezogen. Auch das Programm spiegelt sehr viel Fachlichkeit und schnelles Reagieren auf aktuelle Lebenssituationen von Frauen in der zweiten Lebenshälfte oder von Migrantinnen, die hier unkompliziert aufgenommen werden. Dahinter verbergen sich unzählbar mehr Arbeitsstunden der Leiterin und viel Hingabe an diesen Ort der Begegnung, Kommunikation, Bildung und Kultur im Herzen der Stadt.

Am Donnerstag (20. Juli) besuchte SPD-Bundestagskandidatin Elisabeth Kaiser das Frauenkommunikationszentrum und seine engagierte Chefin. Nur wenige Lebensjahre trennen die Kandidatin und Petra Meyenberg. Schnell fand man eine gemeinsame Sprache, weil auch das Anliegen gleich ist: Sich für die Frauen und ihre Rechte, für die Würdigung von Lebensleistung und das Kümmern um einen unbeschwerten Lebensabend einzusetzen. „Wenn es von der Politik und natürlich auch von den Frauen im Rentenalter gewollt ist, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben, dann muss man auch sozial angebunden sein“, erklärt Petra Meyenberg. Keine Frage, Handarbeiten wie Stricken, Klöppeln, Häkeln, Nähen gehören weiter zur Freizeitbeschäftigung. Aber mit dem Besucherdienst für Ältere und Hilfsbedürftige, der Vermittlung von ehrenamtlichen Pflegebegleitern an pflegende Angehörige, den Rechts- und Rentensprechstunden, psychologischer Beratung oder Beratung zum Wiedereinstieg in den Beruf nach Kindererziehung oder Pflege reagiert der Geraer Frauenbund auf soziale Bedürfnisse, hat er Nischen gefunden, die noch lange nicht abgedeckt sind. 70 Jahre nach seiner Gründung hat sich der Demokratische Frauenbund hier gründlich erneuert. Elisabeth Kaiser fragte: „Welche Unterstützung bekommen Sie denn für diese Vielfalt der Angebote?“ Finanzielle Zuschüsse kommen zu zwei Dritteln vom Land und zu einem Drittel von der Stadt, berichtet Petra Meyenberg. Doch die deckten längst nicht die Kosten, um das Zentrum täglich am Laufen zu halten. „Nach 22 Jahren rein ehrenamtlicher aufopferungsvoller Arbeit meiner Vorgängerinnen habe ich die erste Festanstellung. Jedes Jahr wird neu entschieden, ob es weitergeht. Wir finanzieren uns über Spenden, sind stets auf Sponsorensuche. Gerne würde ich noch mehr Projekte in unser Haus holen, doch das bedeutet mehr Personal und mehr Budget.“


Zwei Mitarbeiter im Bundesfreiwilligendienst (von acht möglichen Stellen) und vier aus dem Arbeitsmarktprogramm Mindestlohn von der Otegau finden im Zentrum vorübergehend Beschäftigung und oft auch neuen Lebensmut. Doch manchmal brächten solche Maßnahmen finanziell mehr Nach- als Vorteile. Da sei manches von der Politik nicht in aller Konsequenz zu Ende gedacht. Und das immer noch bestehende Lohngefälle zwischen Frauen und Männern treffe ausgerechnet jene im Alter hart, die sich am meisten um die jüngsten und die ältesten Familienmitglieder kümmern, die Frauen, erklärt sie Elisabeth Kaiser. Immer nur Mitarbeiter auf Zeit zu haben, bedeute auch, die Leute stets neu einzuarbeiten, sie sinnvoll zu beschäftigen. Viele kämen später wieder, um ehrenamtlich hier zu arbeiten. 30 Ehrenamtliche gehören zur zuverlässigen Truppe rund um Petra Meyenberg. „Ich bewundere alle, die sich hier so ins Zeug legen, so viel Mühe geben, ohne einen Cent Lohn dafür.“ Sie selbst lebt es ja vor, dass auch mit wenigen Mitteln Gutes entstehen kann. „Als ich vor vier Jahren mit meiner Familie hierher zog“, erinnert sich Petra Meyenberg , „fand ich die Stadt von ihrer Lebensqualität besser als andere Städte und kinderfreundlich. Diese Meinung vertrete ich bis heute entgegen des viel diskutierten Spiegel-Artikels. Doch mit Neuem tut man sich schon ein bisschen schwer in Gera.“ So habe sie anfangs Misstrauen gespürt, was sie als Neue wohl könne und weshalb sie manches umkremple. Doch inzwischen sind alle Bedenken einem tatkräftigen Miteinander und gegenseitigem Vertrauen gewichen. „Man spürt bei Ihnen ein gutes Klima, viel Freundlichkeit, Heiterkeit“, beschreibt Elisabeth Kaiser ihren Eindruck und wünscht Leiterin Petra Meyenberg: „Eine dauerhafte Finanzierung und Förderung dieser Einrichtung, die viel zum sozialen Frieden in der Stadt beiträgt und Vereinsamung verhindern möchte. Zudem liefert das Frauenkommunikationszentrum ein gutes Beispiel, aus eigenem Antrieb etwas für das Wohlfühlen in der Stadt zu tun und nicht nur abzuwarten und unzufrieden zu sein. Niemals würden sonst 30 Bürgerinnen und Bürger im Ehrenamt Freude für sich finden und anderen helfen.“