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11.07.2017

Gutes Arbeitsklima für Fachkräfte in der Pflege

Elke Lier

Die Leiterin des AWO-Pflegeheims Burkersdorf Tina Herzog im Gespräch mit SPD-Bundestagskandidatin Elisabeth Kaiser

SPD-Bundestagskandidatin Elisabeth Kaiser besucht AWO-Pflegeheim in Burkersdorf

Burkersdorf. „Pflegekräfte und Krankenschwestern haben genau so eine verantwortungsvolle Arbeit wie Erzieherinnen und Erzieher in den Kindertagesstätten, nur leider nicht das gleiche Gehalt“. So äußerte Tina Herzog, Leiterin des Altenpflegeheimes der Arbeiterwohlfahrt in Burkersdorf, Gemeinde Harth-Pöllnitz gegenüber SPD-Bundestagskandidatin Elisabeth Kaiser ihr Unverständnis zur immer noch unangemessenen Entlohnung der Mitarbeiter in der Pflege. „Schicht- und Wochenendarbeit, einsatzbereit an 365 Tagen im Jahr, die gute Versorgung schwerkranker und hochbetagter Menschen, das verdient doch wirklich mehr Anerkennung“, so Tina Herzog. SPD-Kandidatin Elisabeth Kaiser hatte sich im Heim am Dienstag vorgestellt, um vor Ort mehr über den Praxisalltag zu erfahren. Im Burkersdorfer Heim werden 122 Bewohner von 38 Fachkräften, 12 Nichtfachkräften, sechs Therapeuten, acht Alltagsbegleitern und fünf Schülern betreut. „Der 70-prozentige Fachkräfteanteil ist nötig“ erklärte die Heimleiterin,“um die Bewohner, von den 80 Prozent an Demenz erkrankt sind, gut auf ihrem letzten Lebensabschnitt zu begleiten.“ So könne sie es nicht verstehen, dass die langwierige Essenverabreichung für demente Bewohner statt wie bisher von den Alltagsbegleitern, die dafür viel Geduld und Zeit aufbringen, nun von Pflegekräften übernommen werden sollen, denen dafür weniger Zeit zur Verfügung stehe.

Trotz der Schwere der Arbeit bei geringem Entgelt sei die Fluktuation im Burkersdorfer Heim gering. „Manche Mitarbeiter sind schon 15 Jahre oder länger bei uns. Unsere Auszubildenden versuchen wir zu halten“. Man dürfe das Personal nicht „verheizen“, so die Chefin. Überstundenabbau, Rücksichtnahme auf persönliche Belange machen ein gutes Betriebsklima aus. Burn-out-Prävention und der wertschätzende Umgang miteinander seien wichtig, um sich täglich neu für die Arbeit zu motivieren und zu sensibilisieren. Dringend müsse auch mehr Geld für Weiterbildung zur Verfügung stehen. So sei sie überzeugt, sagte sie zu Elisabeth Kaiser, dass es viele junge Menschen gebe, die an Qualifizierungsmaßnahmen scheiterten, weil sie nicht passgerecht für den Arbeitssuchenden sind oder leider manche Noten höher bewertet würden als soziale Kompetenz und Hingabe für den Pflegeberuf. „Da lassen wir noch viel Potential am Rande versinken, statt es gezielt zu fördern.“ Manche der jungen Pfleger seien „echte Perlen“.

Gleichzeitig erhöhe sich in der alternden Gesellschaft das Anspruchsdenken an die Leistungen der Pflege. Mit jeder Reform erwarten ältere Menschen sowie ihre Angehörigen einen neuen Qualitätssprung, den jeder sofort spürt. Die Politik sollte der Formulierung klarer Ziele zu großen Erwartungen Vorschub leisten. Herzog bedauerte zudem, dass es noch immer an den Voraussetzungen fehle, den Pflegeberuf endlich attraktiver zu machen, denn die Fachkräftemisere sei nun schon Thema seit einem Jahrzehnt. Positiv bewertete Tina Herzog, dass durch das neue Pflegegesetz der Eigenanteil der Bewohner mit unterschiedlichen Pflegegraden vereinheitlicht worden ist.